Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat soeben den Stand ihres Jahresabschlusses für das Geschäftsjahr 2024 bekannt gegeben. Daraus geht zum ersten Mal seit 2022 ein Gewinn von rund 80 Milliarden Schweizer Franken hervor. Dies ist sogar ein Rekordbetrag seit der Gründung der Institution im Jahr 1907.
Ziemlich logisch, dass die großen Goldreserven der SNB voll vom Anstieg des Goldpreises um 27% im Jahr 2024 profitierten. Das goldene Metall brachte der SNB tatsächlich einen Gewinn von 21,2 Milliarden Schweizer Franken.
Tatsächlich besteht die Beziehung zwischen der Schweizer Institution und dem Edelmetall schon seit langem. Die Schweiz gehört heute nicht nur zu den größten Goldbesitzern (fast 1000 Tonnen), sondern hat mit 115,79 Gramm Gold pro Kopf auch eines der höchsten Pro-Kopf-Verhältnisse der Welt.
Heute stellt sich für die Zentralbanken jedoch ein Problem. Zu einer Zeit, in der die USA darüber nachdenken, ob sie sich eine „strategische Bitcoin-Reserve“ zulegen sollen, könnte auch die Schweizerische Nationalbank in den kommenden Monaten dazu gezwungen sein, Stellung zu beziehen.
Der Stellenwert von physischem Gold in der SNB
Historisch gesehen war die Schweiz schon immer ein Staat, der große Mengen an physischem Gold besaß. Bis 1999 war die Landeswährung, der Schweizer Franken, teilweise mit Gold hinterlegt. Es war sogar vorgeschrieben, dass 40 % des umlaufenden Geldes durch Goldreserven gedeckt sein mussten. Diese Golddeckung der Banknoten war sogar in der Verfassung verankert.
Nach offiziellen Angaben hält die Schweizerische Nationalbank derzeit fast 1040 Tonnen physisches Gold. Dieser Wert hat sich zwar seit fast 15 Jahren nicht mehr verändert, doch im März 2000 erreichte der Schweizer Goldbestand mit fast 2590 Tonnen Gold seinen Höhepunkt.

Indikator für den Goldbestand der SNB in den letzten 25 Jahren.
Darüber hinaus werden aus Gründen der Diversifizierung im Falle einer geopolitischen Krise 10% dieses Goldes bei der Bank of Canada, 20% bei der Bank of England und die restlichen 70% in der Schweiz, hauptsächlich in Zürich und Bern, gelagert.
Der Besitz von physischem Gold, ein heikles Thema in der Schweiz.
Die Frage des Besitzes dieses strategischen Vermögenswerts wird in der Eidgenossenschaft seit vielen Jahren diskutiert. Zwischen 2000 und 2005 trennte sich die SNB nach der Abschaffung der Goldparität des Frankens im Jahr 2000 von mehr als der Hälfte ihres Goldbestands. Der Erlös aus diesen Verkäufen wurde zwischen den Kantonen (2/3) und dem Bund (1/3) aufgeteilt.
Im Nachhinein wurde dieser massive Verkauf jedoch stark kritisiert. Dies ist verständlich, wenn man die Entwicklung des Goldpreises seit den 2000er Jahren betrachtet. Die damaligen Verkäufe zu Preisen, die weit unter dem heutigen Niveau lagen, führten zu erheblichen Einnahmeausfällen für die Schweiz.
Ein weiteres Beispiel: 2014 wollte eine Volksinitiative mit dem Titel „Rettet das Schweizer Gold“ die Schweizerische Nationalbank dazu verpflichten, einen Mindestgoldbestand von 20% ihrer gesamten Aktiva zu halten. Die gleiche Initiative wollte eine vollständige Repatriierung der im Ausland gehaltenen Goldbestände in die Schweiz aus Gründen der Souveränität, der finanziellen Unabhängigkeit und der Sicherheit durchführen.
Dieser Versuch eines „Währungsprotektionismus“ scheiterte jedoch, da er von 77% der Wähler abgelehnt wurde. Der mehrheitlich genannte Grund war die Einschränkung, die dies auf die Flexibilität der Schweizer Geldpolitik ausüben würde.
Kann Bitcoin in diesem Zusammenhang eine glaubwürdige Alternative sein?
In mancher Hinsicht hat Bitcoin einige Ähnlichkeiten mit dem goldenen Metall, manche sprechen sogar von „digitalem Gold“. Dazu gehört vor allem ein begrenztes Angebot, das sich aus der Seltenheit dieses Vermögenswerts ergibt. Denn während Gold aufgrund seiner Natur begrenzt ist, wurde Bitcoin so programmiert, dass es ein maximales Angebot von 21 Millionen Btc gibt. Es handelt sich also um zwei deflationäre Vermögenswerte.
Gold und Bitcoin sind ebenfalls zwei Vermögenswerte, die nicht von Zentralbanken oder Regierungen ausgegeben oder geschürft werden. Diese Zentralbanken haben tatsächlich keine Befugnis, die Kurse zu regulieren oder zu kontrollieren, sondern nur die Fähigkeit, sie zu lagern.
Dennoch ist Bitcoin auch heute noch schwer mit Gold zu vergleichen. Die Kryptowährung Bitcoin weist eine sehr hohe Volatilität auf, die im Gegensatz zur Stabilität von Gold steht. Darüber hinaus ist Bitcoin noch sehr jung (2009 gegründet) und seine Akzeptanz durch Staaten und Institutionen ist noch sehr begrenzt.
Schließlich sei daran erinnert, dass Bitcoin vor allem auf einer technologischen Infrastruktur beruht. Daher ist dieser Vermögenswert sehr abhängig von möglichen staatlichen Regulierungen, Sicherheitslücken oder Betrügereien.
Bald Bitcoin in den strategischen Reserven der Schweiz?
Ende 2024 wurde ein Vorschlag, Bitcoin neben Gold in die Währungsreserven der Schweiz aufzunehmen, von einem Komitee formuliert, das sich für eine „finanziell starke, souveräne und verantwortungsvolle Schweiz“ einsetzt.
Konkret heißt das: Wenn bis zum Sommer 2026 100.000 Unterschriften gesammelt werden, kann ein Referendum durchgeführt werden, um die Verfassung zu ändern und Bitcoin als Währungsreserve festzuschreiben. Wenn dieses Vorhaben gelingt, wäre die Schweiz die erste in Europa, in deren Kassen Gold und Bitcoin nebeneinander liegen.
Der Präsident der SNB, Martin Schlegel, hat seinerseits Vorbehalte gegen die Aufnahme von Bitcoin in den nationalen Tresor. Seiner Ansicht nach ist dieser Vermögenswert zu unbeständig, noch zu sehr mit illegalen Aktivitäten verbunden und erfordert einen zu hohen Energiebedarf. Zum anderen sei der regulatorische Rahmen derzeit noch zu unklar.
Schlussfolgerung
Der Stellenwert von physischem Gold bleibt für eine Zentralbank entscheidend. Dieser Vermögenswert bietet Schutz vor der Volatilität der Finanzmärkte, aber auch vor Währungsabwertungen. Wie in jeder Finanzkrise spielen die Goldreserven eine stabilisierende Rolle und können als Sicherheit dienen, um das Vertrauen der Märkte und der Wirtschaftspartner zu sichern.
Mit der Idee, Bitcoin einzubeziehen, geht es jenseits politischer Erwägungen in der Debatte eigentlich darum, ob finanzielle und technologische Innovationen zur Modernisierung der Reserven eingeführt werden müssen oder nicht. Einige Staaten wollen sich diese Revolution nicht entgehen lassen, während andere lieber an greifbaren und sicheren Grundlagen festhalten, die sich seit Jahrzehnten bewährt haben.
Durch Sébastien Gatel
Mit einem Abschluss in Recht und Finanzmarktwesen hat Sébastien viele Jahre in Finanzinstitutionen und im Vermögensmanagement gearbeitet. Parallel dazu tritt er in verschiedenen Medien auf, die sich an Fachleute und Privatpersonen richten, um Finanznachrichten zu analysieren und Themen zu Anlagen und Investitionen zu vereinfachen.
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